Update again.
Ich lasse den Originaltext da, denn der ist so geschrieben und ich muss eben auch zu dem stehen, was ich schreibe, wenn mich jemand wütend bis zur Weissglut macht, indem er mich einen Nazi nennt.
Ja, Ihr die ihr mich in den letzten Tagen und Stunden dafür geprügelt habt, hattet wohl doch recht, ich hätte besser die Tastatur gehalten.
Fakt bleibt: ich bin dagegen, Nazis einfach machen zu lassen.
Und das muss konkret formuliert sein, nicht bloss ein ständiges Lamentieren.
die Variante, die für Sexisten vorgeschlagen wurde - und die ich voll unterstütze - lautet: wenn einer auffällt, dann fällt er auffe Fresse, nichts bleibt unwidersprochen.
Das könnte auch für Nazis funktionieren.
Sorry, Gang, für den Fail.
hase
Update again 16-Apr
Und lauter wird die Kritik und verbissener meine Reaktion.
Mag sein, dass das ein Fehler war.
Mag sein, dass das wieder mal ein Griff in den Entsorgungspark war.
Und immer mehr gräbt sich der Gedanke ein, dass die lauteste Kritik von denen kommt, die ihre eigene Menschenverachtung ertappt fühlen und sich am liebsten selbst bissen.
Ach, dich habe ich nicht ertappt?
Du bist nur einfach so gegen Nazis und ganz lieb und ich ein böser Angreifer?
Der Zweck und die Mittel und das Heilige - man kennt das ja; die a-priori-Unangreifbarkeit.
Aber wenn ich eins hergestellt habe, dann Klarheit.
Klarheit, wie man sich in der Frage Piraten ./. Nazis positionieren muss und darf.
Gottlob greift mich das wahnsinnig an:
Ich bin offenbar noch nicht so abgestumpft, dass ich die Vorwürfe einfach abprallen lassen kann.
Sowohl die Angriffe gestern Nacht, die den Blogpost/Rant provoziert haben, den ich heute wohl nicht mehr so formulierte - aber stehen lassen muss: nachträglich runterredigieren kommt für mich nicht in Frage.
Sollte ich also löschen - wie verlangt?
Nein, das nicht.
Aber für die eine oder andere Formulierung muss ich mich entschuldigen, das stimmt wohl.
Also:
-
-ich anerkenne, dass wir ein Naziproblem bei den Piraten haben.
Das geht auch nicht anders: eine Partei, die ohne Vorabscreening Mitglieder aufnimmt, die jedem eine Chance (und auch eine zweite) verspricht, kann gar nicht anders als auch solche anlocken, die ihre Menschenverachtung hinter Meinungsfreiheit (und anderen Freiheiten) zu verstecken suchen.
-
-Ihr, die Ihr gegen die Nazis in den eigenen Reihen und gegen die in der sonstigen Gesellschaft aufsteht, angeht, sie bekämpft: ich verehre Euch!
Und trotzdem muss ich Euch mahnen: wählt Eure Methoden so aus, dass Ihr nicht selber zu menschenhassenden Dingsdas verkommt. Damit ist niemandem gedient.
Und daher die Bitte um Entschuldigung:
nein, Ihr seid nicht das Problem der Partei.
Wie kriege ich jetzt hier aber noch einen Satz rein, der klar macht, dass die binär-schwarz-weiss-Unlogik, die in der ganzen Chose mal wieder voll am drehen ist, ein echtes Problem darstellt?
Eines, das für mich in der Tat weniger auszuhalten ist als die Spinner und Verrückten und auch Rechten, die immer wieder nerven - aber letztlich bei den Piraten doch keine Mehrheiten finden sondern auffe Nase fallen?
Sowas darf man ganz klar niemals schreiben.
Allein so ein Satz rechtfertigt doch schon wieder, mich als Relativierer, Verharmloser und so weiter zu bezeichnen, ja mich in die gleiche Kategorie einzuordnen wie die Nazis selbst.
Vor gefühlt einer Ewigkeit habe ich die permanente Kampfrethorik der Piraten als ein Kernproblem dargestellt.
Ihre Speisungbekommt die aus diesem Binärschema „wer nicht genauso denkt wie ich, der ist mein Feind“.
Kommt das irgendwem bekannt vor?
hase
Update 16-Apr
Und nun wird mir heute dafür Naivität vorgeworfen.
Wie süß!
Und natürlich haben einige, die ich hier angreife, begriffen, dass ich sie angreife und finden das nicht gut.
Wohl so wenig gut, wie ich es finde, öffentlich in die Nähe von Nazis gestellt zu werden.
Also nochmal für die modernen Menschen mit der geringen Aufmerksamkeitsspanne: ich lehne die rechte Ideologie aus tiefstem Herzen ab.
Und daher lehne ich es auch ab, gleiches mit gleichem zu vergelten und sich damit die eigenen Schwächen schönzureden.
And now, go, bash me.
You know you want to.
-- original post (leicht tippentfehlert, immer wenn ich rante passieren mehr davon. Wutrausch ist so cool, wenn man mittendrin ist, dann fühlt sich alles richtig an.)
Jeder Spatz pfeift es vom Dach, aus dem Strauch und überhaupt.
Jede Gazette weiss es - und weiss es besser als jeder, der mitten drin steckt natürlich.
In der Tat kann es sein, dass man mittendrin irgendwie betriebsblind wird.
In der Tat kann es sein, dass man gelegentlich den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.
Aber ich kann dieses „wir müssen uns abgrenzen gegen Rechte Ansichten“ nicht mehr hören.
Twitter ist cool.
Es ist überhaupt das am besten geeignete Medium, um sachlich und unaufgeregt eine Diskussion zu führen, die differenziert und wohlbegründet daherkommt: das geht bekanntlich am allerbesten mit 140-Zeichen langen, höchst flüchtigen Statements.
Wenn Du da nicht „alle Rausschmeissen, am besten an den Eiern aufhängen“ twitterst - dann bist Du unmittelbar ein Verharmloser, Relativierer, ja heimlicher Symathisant, der nur den richtigen Faschisten und Nazis den Weg bereiten will, die Piraten zu übernehmen.
Klar, all das bin ich offenbar.
Und schlimmeres sicher auch noch.
Man kann das daran ablesen, wie ich versuche, auch das Wort „Ehre“ zurückzuerobern, es ein wenig zu reinigen von dem Dreck, durch den es die Nazis gezogen haben und mit dem sie es führ Jahrzehnte aus dem Wortschatz fast verbannt haben.
Klarer Fall: der Semken ist eigentlich ein Rechter, einer, der anderen die eigene Denk- und Handlungsweise aufzwingen will.
Sexist, Rassist, Antisemit - muss der Semken offenbar auch alles sein.
Semkens Reaktion auf den diffusen, nur dümmste Klischees bedienenden und rein als PR-Stunt durchgezogenen Angriff auf alle, die sich um eine sorgfältige, differenzierte Beschäftigung mit dem alltäglichen Sexismus, der auch vor den Piraten nicht halt macht, bemühen zeigt: er muss ein Sexist sein.
Und heute mal wieder Nazi.
Alles klar.
Die letzte Partei, die mit „diese Leute da, gegen die müssen wir vorgehen“ einen Riesenerfolg erzielt hat, in Deutschland, das ist m.E. die NSDAP.
Die hatten für alles einen Sündenbock.
Die wussten genau: wenn man „diese da“ nur irgendwie loswird, dann wird alles gut!
Und so haben sie dann das grausamste und widerwärtigste Verbrechen in der deutschen Geschichte begangen - und das mit einer geradezu unglaublichen Systematik und Effizienz.
Interessant ist schon, dass die Piraten die Wahlkampfmethodik, mit der die Nazis gerade Berlin erobert haben, gern kopieren (die Kiezspaziergänge, allerdings in Uniform, sind m.W. Goebbels Erfindung, auch wenn er die nicht so genannt hat), aber alles, was Nazis tun muss man natürlich kategorisch und komplett ablehnen.
Und wenn jemand feststellt, dass Deine Scheisse genauso stinkt wie die von einem Nazi - oha, dann geht's auf Twitter sofort los!
Fuck You!
Wer Sprüche bringt wie „mit Nazis redet man nicht“, der ist nun mal in meinen Augen dem Nazitum näher als er selber glaubt und als gut für ihn ist.
Der gut gemeinte Versuch niedersächsischer Piraten, sich gegen die rechte Ideologie abzugrenzen, geht m.E. daher auch wieder mal komplett in die Hose: man will mit Menschen nicht mehr reden.
Mit faschistischen oder rechtsradikalen Organisationen nicht reden: kann ich unterschreiben und voll mitgehen.
Mit deren Vertretern nicht zu verkehren: alles in Ordnung.
Aber wer Menschen ausgrenzt - der grenzt nun mal Menschen aus und ist damit selber kaum besser als die Nazis selber.
Ja, in der Tat.
Das meine ich so.
Es sind die „Rausschmeissen“ und „wir müssen uns abgrenzen“ immer-wieder-Herunterbeter, die das Naziproblem der Piraten darstellen, nicht die Bodos und Dietmars.
Denn diese Nazibeisser sind es, die mich und andere zwingen wollen, so zu sein, wie sie mir das vorschreiben.
Was ist nochmal Kern der rechten Ideologie?
Irgendwas mit „alles Fremde vernichten“.
Das kommt gelegentlich in der weichgespülten Version daher: „Solln die doch hier weggehen, irgendwo anders hin“.
Aber im Kern ist es immer wieder diese eklatante Schwäche, die es den Beisser nicht erlaubt, etwas andersartiges auzuhalten, das sie zwingt, das vernichten zu müssen.
Ich habe bei den Piraten einige Freunde gefunden und auch Leute, die ich mag kennengelernt.
Und eben auch einige, in denen ich mich getäuscht habe, und die sich jetzt als Invers-Nazis rausstellen: voll-gegen-Nazis-mit-Nazimethoden.
fighting for peace is like fucking for virginity.
An sich könnte es ganz lustig sein, zuzusehen, wie diejenigen, die so totaaaal gegen Nazis sind, den Nazis immer wieder ein Podium bereite, immer wieder das dumme und dümmste Zeug streisanden.
Ad nauseam.
Leider ist das nicht lustig.
Denn die Sache ist ernst: die Piraten setzen sich für Meinungsfreiheit, für Demokratie und für eine Gesellschaft, in der jeder sich selbst finden soll, ein.
Also, so war das zuletzt, als ich nachgesehen habe.
Aber wo ist da die Grenze?
Wie weit kann, muss, darf man anderen eine eigene Meinung lassen, wo muss man einschreiten?
Einigen ist das klarer als mir.
Und andere wissen genau, was ich denken darf.
fighting for peace is like fucking for virginity.
Geht mal schön weiter Abgrenzen.
Und tolle Tweets machen.
Ich arbeite lieber weiter an Programmanträgen und Positionen, bei denen ich weiss, dass wirkliche Nazis sie nicht aushalten können.
Dann verpissen die sich nämlich so schnell, wie ihr „wir müssen uns doch aber abgrenzen“ twittern könnt.

