Hyperlinks
Das Element, das http-Anwendungen von ftp-Anwendungen am auffälligsten unterscheidet, ist wohl der Hyperlink.
Rasend neu ist die Idee nicht, katalysiert durch die kostengünstige und schnelle Kommunikationsplattfrm Internet ist die Wirkung aber bestechend: das WWW stellt sich als eine Anwendung dar, bei der durch die Verzweigungen von einer Site auf eine andere so etwas wie ein "Informationsmeer" entsteht; die Wortentlehnung "surfen", also die Beschreibung des Stöberns in den Informationen als ein Wellenreiten, zeigt das ja schon sehr schön.
In der wissenschaftlichen Literatur ist es absolut üblich, nicht nur zu zitieren, sondern auch zu verweisen, das kennen wir alle aus Büchern.
Das Verfolgen dieser Verweise auf andere interessante Quellen ist nicht schwer, wenn die Quelle korrekt angegeben ist: das betreffende Buch im Katalog heraussuchen, zum Regal gehen, die Seite aufschlagen.
An sich ein Vorgang, den man automatisieren kann - und genau das tut letzlich der Hyperlink.
Der autor sieht den Hyperlink als einen Querverweis und genau wie der Querverweis in einem Buch sich auf dasselbe Buch beziehen kann oder eben auf ein anderes, so kann auch der Hyperlink sich auf dieselbe Seite beziehen oder eine andere.
Die neue Qualität ist dann eigentlich nur, dass das Bibliotheks-Jogging entfällt, der Computer nimmt die Lauferei zum Katalog und zum Regal (und nächste Woche nochmal in die Bibliothek, weil das Linkziel grad vergriffen war) ab.
Mit diesen Betrachtungen sind wir wieder sehr nah an der Frage, welche Rechtsfolgen ein Hyperlink nach sich ziehen kann oder sollte, zunächst wollen wir uns aber nocheinmal klar machen, wie sich so ein Link eigentlich darstellt.
Hyperlinks kann man zunächst einmal in zwei Klassen unterteilen, manuell und automatisch verfolgte Hyperlinks.
manuell verfolgte Hyperlinks
Vertreter Dieser Variante haben Sie auf diesne Seiten schon mehrfach gesehen. Die Links werden gegenüber dem anderen Text etwas abgesetzt, in dieser Site farblich, andernorts z.B. durch Unterstreichung.
Verfolgt wird der Link dann, indem man "darauf klickt", also den Mauscursor über dem abgesetzten Text positioniert und die Aktionstaste (meist die linke oder einzige Taste des verwendeten Zeigegerätes) betätigt.
Der Computer nimmt dabei viel Arbeit ab, dennoch ist eine Aktion des Benutzers erforderlich, um die Verfolgung einzuleiten: vor der Benutzeraktion (Mausklick bzw. Tastendruck) wird das Ziel des Link nicht abgerufen.
Manche Maschinen verfolgen den Link schon "auf Verdacht". Die beliebte Proxy-Applikation squid beispielweise erlaubt es, dass der Proxy den Text einer Webseite nach Links durchsucht und die verwiesenen Ziele schon in den Cache überträgt, noch bevor der Benutzer auf den Link klickt.Auf diese Weise sind die verwiesenen Seiten aus dem Cache verfügbar und damit meist viel schneller, als wenn sie wirklich nach Bedarf geladen würden.
Dieses Funktionsprinzip kann man weiter spinnen.
Man stelle sich ein Programm vor, das eine Webseite abruft und z.B. als Datei abspeichert. Die enthaltenen Links werte das Programm ebenfalls aus und rufe nun die verwiesenen Linkziele ebenfalls ab. dieser Vorgang kann dann bis zu einer bestimmten Tiefe fortgesetzt werden.
In der Tat verfügen Sie, verehrter Leser, vermutlich über so ein Programm, ohne dies zu wissen: die Funktion "offline verfügbar machen" des Microsoft Internet Explorer tut ziemlich genau das beschriebene.
Eine andere Software, die Links automatisch verfolgt ist ein Mirror-programm wie wget, das auch für andere Zwecke sehr nützlich sein kann.
Insofern ist die Einstufung als 'manuell verfolgter' Link eine, die auf einen angenommenen interaktiven Standardbrowser abstellt; mit anderer Software werden auch diese Links ggf. automatisch verfolgt.
automatisch verfolgte Hyperlinks
Andere Links werden (normalerweise) automatisch verfolgt.
In diese Klasse gehören die Links, die ein Bild eingebettet in den Text einer Seite erscheinen lassen oder die Links, die in den Frames eines Frameset verschiedene HTML-Dateien aufrufen. Diese Website macht z.B. zur Darstellung der Menüs Gebrauch von einer recht ähnlichen Technik.
Die Links werden also vom oben postulierten Standardbrowser automatisch verfolgt, das Ziel des Link wird abgerufen und in die Darstellung der Seite einbezogen. Das Verhalten ist dabei zwischen den Browsern verschieden (so verfolgt Lynx keine Links für Inline-Bilder) und teilweise auch vom Benutzer einstellbar (Bilder automatisch laden ist heute Defaulteinstellung, noch bei Netscape 3.x war dies anders).
'''Insofern stellt auch hier die Klassifizierung als 'automatisch verfolgt' auf Bedingungen ab, die nur besonders häufig aber nicht notwendig sind.
Andere Klassifizierungen
In gewissen Kreisen wurden noch weitere Kategorien für Links definiert, z.B. die folgende
tiefe Hyperlinks (deep Links)
Für eine kurze Zeit gab es in der Öffentlichkeit eine Diskussion um sogenannte deep links (tiefe Links). Hintergrund ist dabei, dass ein Betreiber einer Site die sogenannten tiefen Links untersagen, die demgegenüber "flachen" Links jedoch zulassen wollte, ja die "flachen" Links wünschte er sich sogar.
Für den Autor stellen diese Links keine eigene Klasse dar, denn ein Kriterium zur Einstufung als "deep" oder "nicht deep" fehlt grundsätzlich.
Im Web sind von der technischen Natur her alle Seiten ersteinmal gleich: jede Seite (die einen eigenen persistenten url hat) ist eigenständig - auch wenn sie zu einem Verband (z.B. einer Site) gehört, der von demselben Autor stammt.
Eine Seite mit einem url der Form
http://server4.Friedrichshain.berlin.deutschland.hase.net/serverhome/pages/SAK/Vortrag/hase/index.html
unterscheidet sich gar nicht von einer Seite mit dem url
http://www.hase.net/index.html.
Zugegeben, das eine tippt sich nicht so gut, weil es mehr Zeichen hat. Ist mnemotisch wohl auch weniger geeignet.
Dennoch sind beide Angaben völlig gleich, wenn man sie systematisch betrachtet; der Unterschied ist nicht "klein" oder "vernachlässigbar" sondern es gibt genau gar keinen Unterschied - jedenfalls nicht aus der Sicht, die für die technische Beurteilung die einzig relevante ist.
Weiter oben finden Sie den Link auf das Programm wget. Der verwiesene URL lautet dabei \\http://www.gnu.org/software/wget/wget.html.
Ist das nicht ein "deep Link" und hätte der Autor hier ggf. nur einen "flachen Link" anbringen dürfen?
Nein, in der Tat ist das ein Link, der genau wie jeder andere Link aufgebaut ist.
Eine Tiefe kann man für einen Link genauso wenig angeben wie seine Temperatur, seine Helligkeit oder seine Klangfarbe. Ein Link hat solche Eigenschaften nicht, und daher ist es auch nicht sinnvoll, einen nassen Link zu erlauben und einen trockenen Link zu verbieten.
Es ist gerade die Natur des Web, dass eine hierarchische Organisationsstruktur der "Seiten" völlig fehlt. Unser (Ihres kann ich nur vermuten, meines ist mir bewußt) Festhalten an gewohnten Strukturen wie "Bibliothek -> Regal -> Buch -> Seite" leitet sich aus der Eigenschaft des Menschen als Gewohnheitstier her.
Solche Strukturen sind in der Vergangenheit technisch geprägt und wir gewöhnten uns daran. Die Einbeziehung solcher Unvolkommenheiten des Materials, mit dem wir arbeiten, in unsere Arbeit prägt dann auch den Umgang mit dem Material: man merkt sich noch, in welchem Buch etwas stand, aber nicht mehr die Seite.
Ganz allgemein merken wir uns vieles unseres "nachschlagbaren Wissens" in einer Hierarchie. Das spart auch Platz beim Merken.
Derlei Hierarchie fehlt dem Web zunächst vollständig. Der Anschein einer Hierarchie entsteht dadurch, dass wir auch Websites so oder so ähnlich organisieren, wie ein Buch - und auch diese Site dokumentiert, wie kläglich der Autor daran scheitert, die Strukturlosigkeit des Web als Vorteil für die Darstellung einzusetzen.
Inhalte ausserhalb des (verlinkbaren) URL-Raumes
Es gibt verschiedene Möglichkeiten mit der ein Inhaltsersteller dafür sorgen kann, dass seine Inhalte zwar mit der Technik des Web erreichbar sind, aber nicht im verlinkbaren URL-Raum liegen.
Die vielleicht üblichste Technik ist die Verwendung eines Programmes, das auf dem Webserver abläuft und Daten liefert. Für diesen Zweck wurde das Common Gateway Interface (CGI) entworfen: über diese Schnittstelle kann eine Webseite innerhalb des Webservers eine Aktion auslösen, die ein Programm startet. Die Ausgabe dieses Programmes wird dann an den Webserver und über diesen an den Browser des Benutzers weitergegeben, der die Seite mit dem CGI-Aufruf abgerufen hat.
Diese Site verwendet z.B. einen PHP-Interpreter, der aus einer Datenbank Inhalte abruft, aus einer anderen Formelemente und alles zusammen schickt er Ihnen dann als HTML-Datei.
Wenn man das per CGI ausgeführte Server-Programm (oder kurz "das CGI-Script" oder auch "das CGI") entsprechend gestaltet, kann man dafür sorgen, dass die Inhalte nicht direkt verlinkt werden können. Man kann allerdings auch per CGI gelieferte Inhalte im URL-Raum belassen, das CGI-Programm muß dieses aber explizit ermöglichen in seiner Programmierung.
Die dieser Site zugrundeliegende Software stellt genau diese Funktion bereit: Sie können auf einen url der Formhttp://www.hase.net/pmwiki/pmwiki.php/Filter/Hyperlinks
zugreifen, tatsächlich werden intern Dateien wie .../wiki.d/Filter.Hyperlinks, Filter.SideBar und Filter.RightBar ausgelesen, ausgewertet und dann letztlich die HTML-Datei berechnet, die Ihrem Browser übermittelt wird.
Genausogut könnte das Programm jedoch nur einen einzigen url bereitstellen und bei Abruf desselben dann imme dieselbe "Leitseite" darstellen, von der aus dann andere Inhalte zugänglich wären.
Alle Inhalte bis auf die "Leitseite" wären damit nicht mehr verlinkbar, sie könnten kein Ziel für einen Hyperlink sein, da es keinen url gibt, um sie anzusprechen.
Wie entsteht nun eine Diskussion um "tiefe" Links?
Im wesentlichen dadurch, dass sich jemand von dem Anschein einer Hierarchie täuschen läßt und gleichzeitig den Wunsch hat, Querverweise auf seine Publikation zu verbieten.
Ein bekanntes Beispiel ist der Stadtplandienst, dessen Autor für Links auf seine Site Geld verlangt. Die Argumentation ist dabei zu konfus, als dass Ihr Autor sich diese hätte merken können, daher kann sie hier nicht wiedergegeben werden.
Tatsächlich weisen die urls häufig grosse Ähnlichkeit auf zu Dateipfaden in einem Unix-Dateisystem. Dem Hostnamen (bei dieser Site www.hase.net folgt ein Slash und was dann folgt sieht einem Pfadnamen sehr ähnlich.
Eine Schwestersite http://www.hase.net/tobykiste benutzt in der Tat die Pfadangaben im url direkt als Dateipfade innerhalb des Unix-Dateisystems.
Dieses Dateisystem ist hierarchisch, die Slashes in den Pfadnamen trennen die Namen der einzelnen Verzeichnise, die Knoten des Verzeichnisbaums darstellen.
Vielleicht halten daher viele Benutzer fälschlich die Links ebenfalls für eine hierarchische Struktur und messen ihnen eine Feuch... - Verzeihung - Tiefe bei.
Dies ist aber nicht faktisch begründbar.
In der Diskussion um die Linktiefe werden dann Links auf "Eingangsseiten" oder "Homepages" (auch das alte Wortmonster Leitseite aus BTX-Zeiten taucht hier ab und zu noch auf) noch als web-typisch erkannt und dann interessanterweise nicht unter Erlaubnisvorbehalt gestellt. Die "tiefen" Links dagegen sollen nur nach ausdrücklicher Erlaubnis und ggf. gegen Zahlung von Geld an den Autor des verwiesenen Inhaltes erlaubt sein.
Wie oben dargestellt ist diese Unterscheidung nicht möglich, da einem Link die Eigenschaft einer Tiefe nicht zugeordnet werden kann.
Will man z.B. aus der Tatsache, dass ein Verweis auf einen Web-Stadtplan, die verweisende Website aufwertet, einen Anspruch für den Autor der verwiesenen Information konstruieren, dann muß man jeden Hyperlink unter Erlaubnisvorbehalt stellen - und damit das Web wie wir es kennen, abschaffen.

