Medium?
Das Fragezeichen in der Überschrift stellt es schon dar: "Internet" ist kein Medium.
Das wird deutlich, wenn man die Anwendung ftp (Filetransfer) ansieht.
Diese stellt offenbar keine mediale Anwendung dar: es fehlt an der Kommunikation schlechthin.
Internet ist kein Medium genau wie Papier kein Medium ist. Erst die Kombination mit der Drucktechnik und die Anwendung als Zeitung oder Zeitschrift lässt ein Medium entstehen.
Auch elektromagnetische Wellen sind kein Medium, das Radio dagegen schon. Zum Radio gehört aber mehr als Funktechnik, denn sonst müsste man auch Bluetooth, WLAN oder die fernbedienung für den Fernseher als Medien betrachten, denn auch hier kommt ja Funktechnik zum Einsatz.
Die Idee, dass das Internet ein Medium sein könnte, kann an sich nicht auftreten, wenn man nicht (fälschlich) "Internet" und "WWW" synonym verwendet.
Das World Wide Web kann man eventuell als Medium betrachten, viele Websites dienen tatsächlich klassischer Massenkommunikation, wie sie sonst hauptsächlich in Medien betrieben wird.
Verantwortlichkeit und Zurechenbarkeit
Bei einer Zeitschrift kommt niemand auf die Idee, den Spediteur, den Drucker oder den Setzer für den Inhalt des Blattes verantwortlich zu machen. Selbst dann nicht, wenn diese an der Herstellung und Verbreitung der Zeitschrift wesentlich beteiligten Personen aus Sicht des Verlages externe Dienstleister sind (was ja häufig der Fall ist).
Die Gesellschaft in Europa hat beim Umgang mit den Medien, der Pressefreiheit und deren Grenzen recht fest gefügte Vorstellungen entwickelt, wer "der Verantwortliche" ist, wer im Klagefall Verantwortung zu übernehmen hat.
Beim Thema Internet aber versagen unsere bewährten Vorstellungen davon, was erlaubt und was verboten sein sollte ungewöhnlich oft und mit weitreichenden Folgen.
Das liegt zum einen daran, dass eben undifferenziert alles mögliche unter "Internet" subsummiert wird und dann mediale und nichtmediale Anwendungen über denselben Kamm geschoren werden
Zum anderen liegt es daran, dass sich das Intenret so rasch weiterentwickelt, dass es durchaus nicht trivial ist, den Überblick zu behalten.
Ein weiterer Grund dürfte sein, dass der Einfluss des Internet auf die Entwicklung der Gesellschaft sehr gross werden kann. Schon jetzt deutet sich an, dass der Impact des Internet die Auswikungen von Buchdruck mit beweglichen Lettern + Bibelübersetzung übertreffen könnte. Mit nur wenig Phantasie kann man durchaus sehen, dass auch das Fernsehen in den Schatten gestellt werden könnte.
Diesen Satz aus dem Jahr 2003 kann man auch jetzt (Feb-2007) noch genau so stehen lassen.
Einige Folgen der Massenverbreitung des WWW und seines Tragwerkes Internet sind schon eingetreten. Der Fernsehkonsum gerade jugendlicher Zuschauer geht zurück, im wissenschaftlichen Bereich nimmt man eine verstärkte Tendenz zum Plagiat wahr und um das Urheberrecht ist der Krieg mit einer Wucht entbrannt, die so nicht abzusehen war.
Solche Veränderungen machen Angst, werden als bedrohlich empfunden; dies wird - wie üblich - dadurch verstärkt, dass die Berichterstattung zum Thema immer die Extreme darstellt und so einen Schatten auf das Ganze wirft.
Die "Musteranwendung", die Applikation, die den komerziellen Durchbruch für eine Technik, die für die komerzielle Anwendung nicht gedacht und auch nicht besonders geeignet war, zu einem Massenprodukt gebracht hat, ist das WWW, mit dessen Eigenschaften wir und kurz beschäftigen wollen.

