WWW ist anders
Anders als in klassischen Medien liegt jedoch die Eintrittsschwelle zur Teilnahme weit niedriger: eine Website kostet heute weniger als der Betrieb und die Abschreibungen für den Computer, den man zum Aufbereiten und Einstellen des Inhaltes benötigt. Anders als bei Print- oder elektronischen Medien ist damit eine Publikation für jedermann zum ersten Mal möglich.
Ein anderer Unterschied zu klassischen Medien ist die scheinbar geringe Persistenz.
Der Inhalt bei einem Buch hat eine Lebensdauer von eingen Jahren bis einigen Jahrzenten. Die Persistenz des Buches ist sogar noch eine bis zwei Grössenordnungen höher. Bitte betrachten Sie hier nicht die klaren Ausnahmefälle (der Inhalte der Bibel hat massive Bedeutung seit mehreren Menschenaltern, Klassiker wie Goethe oder Shakespeare erreichen auch aussergewöhnliche Lebensdauern) sondern die Regelfälle, das "Durchschnittsbuch". Für Fachbücher wie Romane sind die Zeiten der Bedeutsamkeit und der materiellen Existenz ähnlich.
Andere Publikationen erreichen weit kürzere Bedeutungslebensdauern: die Zeitung von gestern taugt morgen nur noch zum Einwickeln der Handsware auf dem Fischmarkt. Dennoch ist auch bei Zeitungen eine hohe Persistenz erreicht: professionelle Archive stellen auch heute noch Zeitungen aus der Weimarer Republik bereit und ermöglichen so z.B. Gero Ganderts Werk Das Handbuch des deutschen Films in der Weimarer Republik.
Im Web sind Bedeutungslebensdauer und Persistenz (also Verfügbarkeitslebensdauer) der Inhalte sehr verschieden: manche Site verschwindet schon nach einigen Tagen wieder auf Nimmerwiedersehen, andere werden scheinbar ewig archiviert (abgesehen von Archivierungssystemen und sog. Caches).
Das Web bietet sich auch in seiner Natur an für alle Arten der Publikation: tages-, ja minutenaktuelle Nachrichten (Heise newsticker) sind genauso verfügbar wie Sammlungen von Datenblättern für schon vergessen geglaubte, steinalte (>4 Jahre) Computerhardware.
Das Web ist also anders, aber was macht es in der Tat so neu? Das neue ist der Hyperlink.

