Offenbar haben wir hier eine Wahrnehmungsgrenze berührt: in der Tat assoziieren viele Menschen bei der Erwähnung des Wortes "Internet" in irgendeinem Medium sofort Verbote und deren Notwendigkeit, Vergehen und Verbrechen und so weiter.
Insofern ist die Frage, ob Sie sich gerade in diesem Moment eigentlich schämen, das Internet zu benutzen, gar nicht so unberechtig, wie sie auf den ersten Blick wirkt.
Das Internet wird also häufig als bedrohlich, als irgendwie gefährlich, wargenommen.
Der Autor bezeichnet diese Wahrnehmung gern als den GBI-Effekt.
Zum einen trägt dazu bei, dass in den klassischen Medien das Extreme stark überrepräsentiert ist. Ein "nichts besonderes ist passiert" ist eben keine Schlagzeile und nur mit "Blut, das aus den Seiten tropft" glaubt mancher Redakteur, eine Zeitung verkaufen zu können.
Das "Internet" ist immer dann eine Schlagzeile oder Meldung wert, wenn etwas besonders gräßliches passiert ist oder passieren könnte.
Aber ein anderer Effekt trägt wohl in genauso starkem Masse dazu bei, dass viele das Internet als eine Bedrohung empfinden: Die Erfahrung jedes Einzelnen Internet-Teilnehmers ein (winzig) kleiner Auszug aus dem ganzen Spektrum dessen, was Internet ausmacht.
Und diese Grenze ist jedem Benutzer durchaus klar, wenn auch eher unbewusst.
Das Unbekannte empfindet der erwachsene homo sapiens sapiens in der Regel als bedrohlich, meist als bedrohlicher als es wirklich ist.
Diese beiden Faktoren verstärken sich natürlich: Medien und Meldungen werden von Menschen gemacht, und das Internet ist neu.
Die Neuheit des Internet ist für sich bereits sehr interessant zu betrachten: die Technik ist schon über ein Jahrzehnt alt und hat sich von einer Spezialität zu einem Massenmarkt entwickelt. Die Dienstleister, die die zugundeliegende Technik betreiben, zählen ihre Kunden in Millionen und nicht mehr an drei Händen ab.
Dennoch ist "Internet" neu und bleibt es.
Das liegt wohl vor allem daran, dass in wohl keinem anderen Bereich so viel für den Benutzer/Teilnehmer wahrnehmbare Veränderungen in so kurzer Zeit erfolgen wie im Bereich der digitalen Kommunikation.
Damit Schritt zu halten ist nicht einfach oder vielleicht komplett unmöglich, also bleiben immer Wissenlücken - mithin unbekannte Zonen und damit wieder so ein dumpfes Bedrohungsempfinden.
Wir wollen im Folgenden versuchen, uns diesem Phänomen - nur dieser Begriff scheint mir dem Internet gerecht zu werden - einmal ein wenig zu nähern.
Dabei soll der Schwerpunkt auf jenen Aspekten liegen, die zu einer strafrechtlichen Dimension von Internet beitragen.
Aber nicht nur um Straftaten soll es gehen sondern generell um das Verständnis davon, was "Internet" ist und wie es dazu kommt.
Es wird also technisch werden, jedenfalls ein wenig. Lassen Sie sich von dieser Vorstellung bitte nicht abschrecken, denn hier soll es um die Technik immer nur soweit gehen, wie das zum Verständnis des Phänomens Internet erforderlich ist.
Dazu muss man gar nicht stark vereinfachen, denn die Technik des Internet, IP und so weiter, sind in der Tat recht simpel.
Sie müssen es sogar sein, denn sonst würden Computer damit nicht umgehen können.
Anders als HAL 9000 in 2001 - Odyssee im Weltraum sind Computer nämlich sehr einfache Werkzeuge und nicht wirklich komplexer als andere Geräte, die wir täglich benutzen.
Kompliziert erscheint vieles, das im Zusammenhang mit Computern steht, vor allem aus einen Grund: die sprachliche Darstellung ist völlig unklar.
Ein wichtiger Grund sind unklare Begriffsdefinitionen, die dazu führen, dass in der Diskussion zwei Menschen dasselbe Wort benutzen, aber eine unterschiedliche Definition des Begriffes anwenden und so aneinander vorbeireden.
Bevor wir uns also aufmachen in die Gefilder der (straf)rechtlichen und technischen Aspekte des Internet, wollen wir an einem schönen Beispiel kurz die Definitionsverwirrung untersuchen.

