Das IP-Datentransportnetz

Wir müssen uns nun doch noch einmal mit der scheinbar (aber nicht wirklich) trockenen Materie der Technik befassen.

Im Folgenden finden Sie daher ein paar schlecht sortierte Schlaglichter auf Kerntechniken, die im Internet zum Einsatz kommen.

Vorab aber ein paar Klarstellungen zu verwendeten Begriffen.

  • Ein Protokoll? ist eine Ablaufbeschreibung. Das ist auch in etwa die ursprüngliche Wortbedeutung.
    Die Bedeutung "Mitschrift" oder "Niederschrift" ist eine übertragene Bedeutung des Wortes.
    Und so ist die Protokollbehörde eines Landes auch nicht für das (nachträgliche) Niederschreiben aller möglichen Dinge zuständig sondern dafür, die Abläufe bei (im Voraus) Staatsbesuchen festzulegen.
    In der Datenkommunikation verwenden wir ebenfalls diese ursprüngliche Bedeutung: Festlegung des Ablaufes der Kommunikation - im Voraus. Man kann das unmittelbar vergleichen mit dem Begriff des Algorithmus: dieser beschreibt den Ablauf einer Berechnung, ein Protokoll den Ablauf eines Kommunikationsvorgangs.
    Bestandteil dieser Ablaufbeschreibungen sind dabei die Formate der Adressen und anderer Protokollelemente.
  • Internet beschreibt hier das Datentransportnetz, mit dessen Hilfe Datendienste basierend auf dem Internet Protocol (IP) öffentlich angeboten werden.
  • Ein Computer, der mit dem Internet verbunden ist und Daten über das Internet übertragen kann, ist Teil des Internet. Es ist wichtig, das zu verstehen: der Computer wird zum host, also zum Teil des Internet.
  • Ein Server ist ein Programm, das auf einem Computer abläuft. Auch hier ist wichtig, dass nicht der Computer/die Hardware der Server ist (das ist eine andere Bedeutung des Wortes Server).
    Wenn wir von Servern in Zusammenhang mit Datentransport und Internet sprechen, dann kann nur das Programm gemeint sein, das den Dienst erbringt.

  • Das Wort virtuell hat inzwischen so viele Bedeutungen, dass man es besser gar nicht verwenden sollte.
    Tatsächlich heißt virtuell so viel wie "man kann es sehen, aber es ist nicht da". Diese flapsige Definition trifft für virtuelle Bilder aus der geometrischen Optik (Physikunterricht, Gymnasium, 8. Klasse?) genauso zu wie für virtuellen Speicher: solcher verhält sich wie Arbeitsspeicher (bis auf die Zugriffszeit, die ist bei realem Speicher schneller), ist aber kein Arbeitsspeicher; der Speicher ist sicht- und benutzbar obwohl er gar nicht da ist.
  • Das Wort transparent stellt in gewisser Weise das Gegenteil zu virtuell dar: "es ist da, aber man kann es nicht sehen".
    Dieser Art ist z.B. eine Glasscheibe (die man im Idealfall nicht sehen kann, man kann aber ihre Wirkung auf Luftströmungen erkennen) oder ein Cache-Speicher. "Sehen" können ist bei Speicher synonym für "adressiert auslesen" können - und das ist bei einem Cache nicht möglich. Beim Cache wird ein Speicher adressiert (der Arbeitsspeicher) und wenn zufällig im Cache eine Kopie des adressierten Inhalte liegt, dann wird der Zugriff aus dem Cache bedient; adressierbar ist aber nur der Arbeitsspeicher und bis auf den beschleunigten Zugriff (eine meßbare Wirkung des Cache) ist es, als wäre der Cache nicht vorhanden - er ist transparent.
    Auch Web-Proxies können von der transparenten Sorte sein (idR. ist das nicht der Fall).
  • Internet Service Provider (ISP), oft als "Provider" abgekürzt ist eine Sammelbezeichnung für Firmen, die bestimmte Dienstleistungen erbringen.
    Die Bezeichnung ist genauso beschreibungsscharf wie "Beherbergungsbetrieb". Dieses umfasst ja von der bed&breakfast-Pension im Saisonbetrieb über die Jugendherberge bis zum Burj el Arab ganz verschiedene Betriebstypen. Einige Hotels bieten ihren Gästen dabei auch Dienstleistungen wie Wäschereinigung, therapeutische Massagen, Maschinen für Krafttraining oder Limousinenservice an - ohne dass dadurch ein Autovermieter oder ein Stadtbad zum Beherbergungsbetrieb werden.
    Leider wird in der Diskussion um das GBI bei der Betrachtung der Firmen, die die erforderlichen dientleistungen erbringen, gern weniger genau differenziert.
    Die etwas ungelenke Differenzierung in der deutschen Gesetzgebung in Access-Provider, Hosting-Provider und Content-Provider ist völlig ungeeignet
    • Content-Provider sind keine ISPs. Ein klassischer Content-Provider ist die Deutsche Presseagentur dpa - und die hat mit dem Internet erstmal nichts zu tun.
      Zutreffend wird dem Inhaltsverantwortlichen die Verantwortung für Inhalte auferlegt und nicht demjenigen, der sie transportiert. Die Verwendung des Wortes Provider für beide völlig getrennten Dienstleister ist aber irreführend.
    • Das Wort Access-Provider stammt zwar aus der ISP-Branche selbst, wird aber gern misdeutet. Diese Art der Dienstleister ermöglicht in der Tat Zugang zum Internet; sie ermöglicht es, dass ich meinen Computer zum Teil des Internet werden lassen kann indem ich technische Einrichtungen des Access-Provider benutze.
      Diese Art "Zugang" ist ein völlig anderer als z.B. der Zugang zur Zeitansage, Telefonauskunft oder anderen "Mehrwertdiensten". Es hilft beim Verständnis, die Ähnlichkeiten zunächst zu ignorieren und die Unterschiede verstärkt zu betrachten.
    • Hosting-Provider bieten nur scheinbar eine völlig andere Dienstleistung als die Access-Provider an. Allerdings kann man an der Bereitstellugn von Speicherleistungen im Gegensatz zu reinen Durchleitungen einen Unterschied festmachen, aber z.B. im Warentransport werden beide als "Logistikleistungen" bezeichnet und als die betriebswirtschaftliche Theorie einmal erkannt hatte, dass beides im Grund fast glecih ist, wurden das "rollende Lager" und die just-in-time Produktionskette geboren.
      Bei der Gegenüberstellung von Hosting- und Access-Provider hilft es für das Verständnis, zunächst die Ähnlichkeiten und Gleichheiten zu betonen und dann die Unterschiede zu betrachten.


Page last modified by December 12, 2007, at 12:30 PM