Dialup Internet Verbindungen

An sich sind Internet-Verbindungen über nicht-permanente Transportwege ein Widerspruch in sich.
Wie soll ein Computer zum Teil des Internet werden, wenn die Verbindung jederzeit wegfallen kann.

Tatsächlich ist der Widerspruch gar nicht so gross: Für die Zeit, da eine Verbindung besteht, wird der Rechner halt Teil des Internet.
Mach Auffassung des Autors entstand die Idee von dialup-IP ohnehin im Schatten der Standleitung: als Backup für eine ausgefallene ISDN-Standleitung war eine ISDN-Wählverbindung ohne weiteres geeignet.

Die esten dialup-IP Anbindungen wurden noch mit festen IP-Adressen für den Kunden angeboten; solange die Zahl der Kunden klein ist, ist das eine sehr praktikable Variante.

Mit steigender Kundenzahl wird es jedoch zunehmend unsinnig, eine feste IP-Adresse zu vergeben für einen Kunden, der vielleciht 20 Stunden im Monat diese wirklich nutzt.
Die IP-Adressen werden also nur für die Dauer einer Verbindung vergeben und wenn sie frei geworden sind, einem anderen Kunden vergeben.

Dieses Konzept ist heute etabliert und die Mehrzahlt der Kunden verwendet diese Variante, zumal auch Standleitungstechniken wie DSL im Consumer-Bereich als dialup-Verbindungen mit wechselnder IP-Adresse verkauft werden.

Ein solcher Zugang scheint zunächst keinen Betrieb eines Servers zu erlauben: wenn die IP-Adresse des Computers ständig wechselt, kann man nicht auf diesen Computer referenzieren.
Nebenbei scheint das auch vor anderen Arten von Zugriffen aus dem Internet zu schützen: wenn meine Adresse ständig wechselt, wie soll ein Wurm oder Virus oder Hacker zugreifen können?

Tatsächlich sind beide Vorstellungen falsch, aber aus leicht unterschiedlichen Gründen.
Der Wurm oder Virus oder auch der böse Hacker attakieren ja nicht meinen Computer sondern irgendeinen x-beliebigen Computer (der dann zufällig meiner ist). Den Schädlichen ist die Ziel-IP an sich egal, solange unter dieser Adresse nur irgendetwas antwortet.

Der Betrieb von Servern ist ebenfalls möglich, denn die Adresse eines Servers, die man sich merkt (oder auf die verlinkt wird), ist ja in der Regel eine abstrahierte, sekundäre Adresse und nicht die IP-Adresse; zur Abstraktion und Bildung der neuen Adresse werden Systeme wie das DNS verwendet. Wenn es also gelingt, die DNS-Informationen relativ zügig zu aktualisieren, dann kann ein Server von IP zu IP umziehen, bleibt aber unter seinem "Namen" (es ist ja kein Name in dem Sinne, auch wenn die Verwechslung von DNS-gebildeten Adressen mit Namen naheliegt) verfügbar.
Genau diese Funktion des DNS wird z.B. gern benutzt, wenn ein Server aus irgendeinem Grund (Aufrüstung, Providerwechsel) umziehen muß und zunehmend mit der Verbreitung von DSL auch für Server mit geringer Verkehrslast, die so sehr preisgünstig betrieben werden können.

Anonymität

Eine dialup-IP-Anbindung bricht die Relation (IP, Person) auf: dieselbe IP-Adresse wird ja von völlig verschiedenen Personen genutzt.
Allenfals die Relation (IP, Person, Zeit) ist noch eindeutig.

Ist dialup Internet also anonym?
Eher nein. Aus verschiedenen Gründen hat sich als Abrechnungsform für dialup-IP der Zeittarif etabliert, wenn auch im Rahmen von DSL der Volumentarif an Boden gewinnt.
Ein Grund für die Abrechnung nach Zeit ist, dass die Onlinezeiten bei der Nutzungserfassung ohnehin mit anfallen, was für die Transfervolumina aber auch gilt. Der wichtigste Grund ist wohl gewesen, dass bei Modem- und ISDN-Verbindungen über den Preis für die zugrundeliegende Verbindung ohnehin eine starke Zeitkomponente anfiel.

Die Abrechnung erfolgt typsicherweise so, dass für jede einzelne Verbindung eines Kunden die Verbindungsdaten aufgezeichnet werden. Zur erstellung der Rechnung werden diese gesammelten Rohdaten dann z.B. monatlich aggregiert. Die Relation (IP, Person, Zeit) kann damit immer noch so lange rekonstruiert werden, wie die Rohdaten vorliegen.
Dieses Verfahren ist zwar strenggenommen nicht datenschutzkonform, aber wie gesagt sehr üblich, denn die gesammelten Verbindungsdaten leisten auch bei der Fehlersuche im Störfall wertvolle Hilfe; ein komplett datenschutzkonfirmes System, das während des Abrechnungszeitraumes nur aggregierte Daten sammelt und keine Rückschlüsse auf dei einzelne Verbindung zulässt, böte solche Vorteile nicht.

Man muß aber hier "Verbindungen" auf verschiedenen Ebenen - also in verschiedenen Protokollstacks, siehe auch die Anmerkungen zum Schichtenmodell in Protokolle und Schichten? - streng unterscheiden: der dialup-Provider sammelt zwar Daten über einzelne Telefonverbindungen, die dann für IP-Verkehr genutzt werden, nicht jedoch über einzelne TCP-Verbindungen, die über diese Telefonstrecke abgewickelt werden. Für PPPoE-Dialup über DSL gilt genau dsa gleiche.
Doch genau auf diese Daten über einzelne TCP-Verbindungen oder einzelne UDP-Pakete zielen derzeit Begehlichkeiten von Strafverfolgern in ganz Europa. Diese TCP-Verbindungsdaten sollen gesammelt und ebenfalls mit den Nutzern korreliert werden - ein enorm ehrgeiziges Unterfangen, denn die Datenmengen wären schier gigantisch - abgesehen davon, dass die gesamte Netzinfrastruktur für solch eine lückenlose Bespitzelung komplett umgebaut werden müßte: solche TCP-Verbindungsdaten fallen eben nicht "nebenher" mit an und müssten nur aufgezeichnet werden, sie werden derzeit an keiner Stelle geführt.
Die technische Schwierigkeit, für verbindungslose Protokolle wie UDP Verbindungsdaten bereitzustellen, tritt demgegenüber fast gar nicht in Erscheinung.


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