Grad im Radio gehört

Und ich musste lachen.

Und dann überlegen, ob mir das Lachen peinlich sein müsste, denn irgendwie ist ja Schadenfreude mit drin.

„Stell dir vor, du wärst auf einer einsamen Insel. Nein, ich meine jetzt nicht England sondern eine noch einsamere Insel“.

Viele Witze sind ja im Grunde grausam, und dieser irgendwie auch.
Unsere britischen Nachbarn haben sich entschlossen, die EU zu verlassen; sie glauben, allein stärker zu sein als in der Gemeinschaft.

Das Thema ist im Grunde entsetzlich komplex: es wirft ein sehr schlechtes Licht auf die EU, wenn diese offenbar mehr als Klotz am Bein denn als Rückhalt vermittelnde Gemeinschaft erscheint.

Daneben haben wir ein Beispiel für direkte Demokratie der schlechteren Sorte: nach dem Votum haben sich ja viele Brexit-Befürworter heftig die Äuglein gerieben und sich gefragt, was sie da wohl angerichtet haben mögen.
Und den Hauptverantwortlichen (Nigel und Boris) war das Ganze offenbar so peinlich, dass sie sich gleich komplett verkrümelt haben.

Auch aus diesem Beispiel ist klar, warum die Entfremdung zwischen etablierter Politik und Bevölkerung so rapide voranschreitet: nicht nur die Wahlberechtigten trauen der – eigentlich ihrer – Politik nicht mehr recht über den Weg, wie man an der Erosion der Wahlbeteiligung seit den 60ern ablesen kann.
Nein, auch die Politik traut dem Wahlvolk im Grunde nicht über den Weg; Helmut Kohl hat sich mit all seinem Einfluss gegen ein Referendum zu den Verträgen von Lissabon gestemmt.
Auch deshalb sind es „Verträge von Lissabon“ und nicht eine Verfassung für die EU.

Viele haben ja Angst, dass mit einer echten europäischen Einigung uns so Events wie Europameisterschaften verloren gingen, weil dann nicht mehr „National-„Mannschaften anträten.
Aber wäre das wirklich soooo schlimm, wenn da eben die Regionalmannschaften aus Deutschland und Wales aufeinanderträfen so wie in den Ligen schon jetzt Regionalmannschaften aus z.B. Bayern und Katalonien?

Das Thema ist wie gesagt vielschichtiger als Mamis Prinzregententorte – und eben leider nicht so lecker.
Sondern eher sehr bitter.

Ich hoffe, dass der Brexit vor allem eine Stimmung in der Rest-EU bewirkt: „jetzt erst recht“.
Lasst uns den Nachbarn beweisen, dass sie sich nicht gerettet haben, wie viele Befürworter vermeinten.
Ich bin sicher, Großbritannien hat sich damit selbst geschadet, so wie es durch seine starrsinnige Eigennutzfokussierung schon immer der EU Schmerzen bereitet hat.

Lasst uns die EU zu einer demokratischen Gemeinschaft, meinetwegen zu einer europäischen Nation (obwohl ich das Wort nicht mag, es wird zu sehr von Leuten missbraucht, die selber nichts sind und sich deshalb auf ihre „Nation“ was einbilden müssen) machen.
Einer Gemeinschaft, die Thatcherismus klar entgegen tritt und so beweist, dass Menschen vor Geld gehen.

Update:

Und jetzt höre ich, dass Boris Johnson Außenminister des neuen Kabinetts werden soll.
Hmm.

Entweder ist Theresa May genial, oder fies.
Was kein exklusives „oder“ sein muss.

Genau den Mann, der die ganze Misere eingebrockt hat, jetzt an die Front zu schicken, die Suppe auch auszulöffeln, ist an sich irgendwie richtig.

Andererseits ist Boris Johnson bisher nicht durch sachliche Argumentation, Klugheit oder gar Weisheit aufgefallen.
Ob der Mann die richtige Wahl ist für Großbritannien?

Aber er könnte genau der Richtige sein, um die restliche EU zusammenschweißen.
Leider eher in einem „oh, Grusel, lasst uns die bloß endlich rauskanten“ Gefühl, das für sich genommen eher nicht gut ist.

Aber so ein Tischtuchzerschneider kann in der Tat helfen, jetzt beim Brexit keine halben Sachen zu machen – und nur so werden wir eine maximale Eindämmung des giftigen Einfluss der COL auf die Wirtschaft erreichen können.

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