Mehr Beweis braucht es nicht: nur echte Datensparsamkeit hilft

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/bmw-liefert-gericht-bewegungsprofil-eines-carsharing-kunden-a-1104129.html

Unfassbar, wie verdutzt alle jetzt tun.
Davon reden wir seit Jahren!

Und nun ist also auch klar: nicht nur die Mobilfunker sondern auch andere Dienstleister sammeln quietschvergnügt Daten, am Gesetz vorbei.
(Wobei die Mobilfunker das demnächst nicht nur dürfen, sondern sogar müssen: Vorratsdatenspeicherung)

Und was hat so ein Datensparschwein nun zu befürchten?
Selbst wenn es nicht die Heilige Kuh Automobilindustrie wäre, fürs Ausspionieren der Kunden gibt es höchstens einen Klaps auf die Hand.
Einen totfahren: 33 Monate.
Filme kopieren geholfen: 40 Monate.

Es ist zum Rückwärtsessen, wie schief unsere Rechtslage hängt.
Und wer jetzt „da muss mal jemand was machen“ gedacht hat:
– Die Piraten mach genau das
– Und überhaupt bis auch DU der, der was machen muss.

Achja, in dem konkreten Fall wäre es echt Kack gewesen, wenn die Dumme Sau von Sonntagsfahrer aus Mangel an Beweisen davongekommen wäre.
Fände ich uncool.
Und eine Gesellschaft, die wahrhaftig ein „lieber einen Schuldigen laufen lassen als einen Unschuldigen verknacken“ lebt, finde ich echt klasse.

Also, in der Sache zwiespältig, aber unter dem Strich hätte ich lieber uncool gefunden, wenn wegen Mangel an Vorratsdaten die Dumme Sau nochmal davongekommen wäre, auch wenn es mir um die Familie der Armen Sau echt leid tut.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Mehr Beweis braucht es nicht: nur echte Datensparsamkeit hilft

Und ewig grüsst

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Innenminister-Provider-sollen-fuer-Terror-Propaganda-im-Netz-haften-3274173.html

Da ist sie wieder mal.
Die Providerhaftung.

Und die Behauptung, dass die Weitsicht bzw. das Betrachten der Konsequenzen durch Leute, die sich auskennen, „Ausreden“ seien, ist auch lange bekannt.
Noch so ein Wiedergänger.

Aber in Kombination mit der geplanten Privatisierung des Autobahnnetzes – ein Anliegen der CDU seit Jahren – wird dann ein Schuh daraus.
Denn sobald mein Autobahnprovider privat ist, wird man ja wohl die gleichen Massstäbe anlegen können wie bei den Datenpakettransporteuren.
Und dann haften die auch für alle Straftaten, die in „ihrem Netz“ begangen werden?
Über welches rechtliche Konstrukt? Beihilfe?

Natürlich lehnt das jeder Politiker sofort ab; vermeintlich sei das ja was ganz anderes.

Fragt man dann nach, inwieweit das anders und besonders sei, kommt zunächst ein Rumdrucksen und Gemurmel von „Sorgfaltspflichten“ und „Gewinninteressen“, aber je länger man zuhört und versucht dahinterzukommen, welche Begrifflichkeiten und Wortbedeutungen im gegenüberliegenden Kopfe Verwendung finden, stösst man fast immer auf eine begriffliches Fundament: Internet = böse.

Und so ist es dann konsequent, den „Provider“ als ein gerade-so an der Grenze der Grauzone operierenden, gewissenlosen bis menschenverachtenden nur von Gier getriebenen Apparat zu sehen.
Eine Grundthese, die natürlich verstärkt wird dadurch, dass die Politik der CDU wie SPD über Jahrzehnte diesen Typ des Wirtschaftsunternehmens gehätschelt und gefördert, biologisch gesprochen also herausgezüchtet hat.
Multipliziert mit „Internet = böse“ kommt dann eine Vorstellungswelt heraus, aus der Forderungen wie Providerhaftung sinnvoll erscheinen können.
(omg, ich oute mich damit womöglich als Politikerversteher; muss ich mich jetzt sofort distanzieren?).

Ich habe das schon in den 90ern den GBI-Effekt genannt, was hier passiert.
In der Politik sind vorwiegend Leute unterwegs, für die ist dieses ganze Daten-Gedöns weit jenseits ihrer Clarke-Grenze und damit absolut magisch.
Und magischen Vorgängen kann man alles zumuten – und das tun sie dann auch.

Tatsächlich ist aber das, was der Innenminister (!) da fordert, nicht weniger als der Einstieg in eine Sündenbockhaftung.
Damals (90er, Anfang des Jahrtausends) setzte sich diese Erkenntnis dann langsam durch und dämmte erfolgreich das Vorgehen gegen ISPs ein.
Hoffen wir, dass auch das jetzt wieder gelingt und auch dieser Regelungszombie wieder für eine Weile entschärft wird.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Und ewig grüsst

Grad im Radio gehört

Und ich musste lachen.

Und dann überlegen, ob mir das Lachen peinlich sein müsste, denn irgendwie ist ja Schadenfreude mit drin.

„Stell dir vor, du wärst auf einer einsamen Insel. Nein, ich meine jetzt nicht England sondern eine noch einsamere Insel“.

Viele Witze sind ja im Grunde grausam, und dieser irgendwie auch.
Unsere britischen Nachbarn haben sich entschlossen, die EU zu verlassen; sie glauben, allein stärker zu sein als in der Gemeinschaft.

Das Thema ist im Grunde entsetzlich komplex: es wirft ein sehr schlechtes Licht auf die EU, wenn diese offenbar mehr als Klotz am Bein denn als Rückhalt vermittelnde Gemeinschaft erscheint.

Daneben haben wir ein Beispiel für direkte Demokratie der schlechteren Sorte: nach dem Votum haben sich ja viele Brexit-Befürworter heftig die Äuglein gerieben und sich gefragt, was sie da wohl angerichtet haben mögen.
Und den Hauptverantwortlichen (Nigel und Boris) war das Ganze offenbar so peinlich, dass sie sich gleich komplett verkrümelt haben.

Auch aus diesem Beispiel ist klar, warum die Entfremdung zwischen etablierter Politik und Bevölkerung so rapide voranschreitet: nicht nur die Wahlberechtigten trauen der – eigentlich ihrer – Politik nicht mehr recht über den Weg, wie man an der Erosion der Wahlbeteiligung seit den 60ern ablesen kann.
Nein, auch die Politik traut dem Wahlvolk im Grunde nicht über den Weg; Helmut Kohl hat sich mit all seinem Einfluss gegen ein Referendum zu den Verträgen von Lissabon gestemmt.
Auch deshalb sind es „Verträge von Lissabon“ und nicht eine Verfassung für die EU.

Viele haben ja Angst, dass mit einer echten europäischen Einigung uns so Events wie Europameisterschaften verloren gingen, weil dann nicht mehr „National-„Mannschaften anträten.
Aber wäre das wirklich soooo schlimm, wenn da eben die Regionalmannschaften aus Deutschland und Wales aufeinanderträfen so wie in den Ligen schon jetzt Regionalmannschaften aus z.B. Bayern und Katalonien?

Das Thema ist wie gesagt vielschichtiger als Mamis Prinzregententorte – und eben leider nicht so lecker.
Sondern eher sehr bitter.

Ich hoffe, dass der Brexit vor allem eine Stimmung in der Rest-EU bewirkt: „jetzt erst recht“.
Lasst uns den Nachbarn beweisen, dass sie sich nicht gerettet haben, wie viele Befürworter vermeinten.
Ich bin sicher, Großbritannien hat sich damit selbst geschadet, so wie es durch seine starrsinnige Eigennutzfokussierung schon immer der EU Schmerzen bereitet hat.

Lasst uns die EU zu einer demokratischen Gemeinschaft, meinetwegen zu einer europäischen Nation (obwohl ich das Wort nicht mag, es wird zu sehr von Leuten missbraucht, die selber nichts sind und sich deshalb auf ihre „Nation“ was einbilden müssen) machen.
Einer Gemeinschaft, die Thatcherismus klar entgegen tritt und so beweist, dass Menschen vor Geld gehen.

Update:

Und jetzt höre ich, dass Boris Johnson Außenminister des neuen Kabinetts werden soll.
Hmm.

Entweder ist Theresa May genial, oder fies.
Was kein exklusives „oder“ sein muss.

Genau den Mann, der die ganze Misere eingebrockt hat, jetzt an die Front zu schicken, die Suppe auch auszulöffeln, ist an sich irgendwie richtig.

Andererseits ist Boris Johnson bisher nicht durch sachliche Argumentation, Klugheit oder gar Weisheit aufgefallen.
Ob der Mann die richtige Wahl ist für Großbritannien?

Aber er könnte genau der Richtige sein, um die restliche EU zusammenschweißen.
Leider eher in einem „oh, Grusel, lasst uns die bloß endlich rauskanten“ Gefühl, das für sich genommen eher nicht gut ist.

Aber so ein Tischtuchzerschneider kann in der Tat helfen, jetzt beim Brexit keine halben Sachen zu machen – und nur so werden wir eine maximale Eindämmung des giftigen Einfluss der COL auf die Wirtschaft erreichen können.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Grad im Radio gehört

Technikwechsel

Ein Blog hatte ich ja schon länger, die ollen Kamellen findet man immer noch hier.

Bisher habe ich iWeb von Apple dafür verwendet. Überhaupt hatte ich so einige Technik dieses Lieferanten im Einsatz.

Aber die wollen mich nicht mehr als Kunden, daher ist es einfach mal Zeit, die Technik zu wechseln. Daher jetzt WordPress, wie so viele ander ja auch. Schliesslich wissen wir: Millionen Fliegen können nicht irren.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Technikwechsel